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Waldbrand in Hürtgenwald bedroht Ortsteil Gey

Im Kreis Düren wütet seit Donnerstag ein massiver Vegetationsbrand, der sich rasant auf besiedeltes Gebiet zubewegt. Da die Flammen Wohnhäuser bedrohen und im Waldboden alte Weltkriegsmunition liegt, musste ein komplettes Dorf geräumt werden

Ein großflächiger Waldbrand beschäftigt seit Donnerstag die Einsatzkräfte im Kreis Düren und hat sich mittlerweile auf eine Fläche von 300 Hektar (entspricht drei Millionen Quadratmetern) ausgedehnt. Für den Hürtgenwalder Ortsteil Gey ordnete der einberufene Krisenstab in der Nacht eine vollständige Evakuierung an. Rund 1.800 Menschen mussten ihre Häuser umgehend verlassen.

Entwicklung in der Nacht

Der Waldbrand begann am Donnerstagnachmittag aus bislang ungeklärter Ursache in der Region Düren. Das Feuer, das auf einer Fläche von rund 25 Hektar ausbrach, vergrößerte sich rasch, woraufhin die Gemeinde eine Großschadenslage ausrief. Die Warn-App NINA meldete „Extreme Gefahr“, zudem wurde die angrenzende B399 gesperrt. Gegen 2 Uhr in der Nacht zum Freitag befand sich die Feuerfront noch rund 500 Meter von den ersten Häusern des Ortsteils Gey entfernt.

Durch den Wind breitete sich das Feuer jedoch weiter aus. Gegen 4 Uhr wurden in Gey die Sirenen ausgelöst, da sich die Flammen bis auf 200 Meter genähert hatten, und die Räumung des Dorfes begann. Über Aufrufe wurden die Bürger angewiesen, nur die nötigsten persönlichen Gegenstände wie Ausweise und Medikamente mitzunehmen. Am Freitagvormittag befand sich das Feuer laut Reportern vor Ort teilweise nur noch etwa zehn Meter von den verlassenen Häusern am nördlichen Rand von Gey entfernt.

Die Evakuierten wurden zunächst mit Bussen in den Bereich Straß gebracht. Wegen des Ascheregens musste diese Notunterkunft später ebenfalls geräumt werden; die verbliebenen 60 Personen wurden in eine Förderschule nach Stockheim gebracht. Landrat Dr. Ralf Nolten berichtete von einem verständnisvollen Umgang der Einwohner mit der Situation: „Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone – wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.“

Löscharbeiten durch Weltkriegsmunition erschwert

Der Einsatz gegen diesen Waldbrand wird durch die historischen Gegebenheiten vor Ort erschwert. Der Hürtgenwald war im Herbst 1944 Schauplatz einer großen Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Im Boden des Einsatzgebietes befinden sich noch zahlreiche Kampfmittel, die nun die Arbeit der Feuerwehr beeinträchtigen.

Im Laufe der Nacht detonierte auf dem Brandgelände bereits Munition. „Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, erklärte Landrat Nolten. Um Wege in den Wald zu schaffen, setzt die Bundeswehr einen Panzer ein. Zudem schlägt die Feuerwehr gezielt Schneisen, löscht Glutnester am Rand und setzt Wasserwerfer der Polizei ein, um das Feuer auf Distanz zu den Wohngebieten zu halten.

Umfangreicher Einsatz und zivile Unterstützung

Um den Waldbrand einzudämmen, koordiniert ein Einsatzstab der Polizei Köln derzeit einen großen Luft- und Bodeneinsatz. Zu den bereits 200 Helfern vor Ort forderte der Kreis 150 weitere Feuerwehrleute an. Zudem rückte ein für Auslandseinsätze konzipiertes Spezialmodul der Feuerwehren Düsseldorf, Bonn, Leverkusen, Ratingen und Königswinter an. Aus der Luft unterstützen Hubschrauber aus Hessen, Rheinland-Pfalz, von der Bundespolizei und der Bundeswehr. Sie entnehmen Löschwasser aus mobilen Becken und den Talsperren der Eifel. Um die Zufahrten für die Einsatzfahrzeuge freizuhalten, hat die Autobahn GmbH die A4-Ausfahrten Düren und Langerwehe gesperrt.

Auch Landwirte unterstützen die Arbeit der Einsatzkräfte, indem sie angrenzende Äcker pflügen und wässern. Der 31-jährige Patrick Koch, Mitarbeiter eines Tiefbauunternehmens, transportiert beispielsweise mit seinem Traktor kontinuierlich Wasser aus einer Talsperre heran. „Man macht einfach seine Arbeit und versucht zu helfen. Man will ja auch seine Heimat irgendwie retten“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Weitere Entwicklung abwarten

Am nördlichen Rand von Gey beträgt die Distanz zwischen den verlassenen Wohnhäusern und dem Feuer derzeit nur noch etwa zehn Meter. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr konzentrieren all ihre Maßnahmen darauf, ein direktes Übergreifen der Flammen auf die Gebäude zu verhindern. Während der Waldbrand in der Nacht noch eine Entfernung von rund 500 Metern zu dem Ortsteil aufwies, hat er sich im Laufe des Tages kontinuierlich weiter ausgebreitet. Sollte sich das Feuer in andere Richtungen verlagern, rückt auch der Ortsteil Großhau mit seinen 500 Einwohnern in den Fokus der Behörden. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet.