Ein hochgefährlicher und seltener Einsatz auf der Semmering Schnellstraße (S6) hat am Montagmittag, den 8. Juni 2026, die Rettungskräfte der Stadtfeuerwehr Gloggnitz gefordert. Im Baustellenbereich der Schnellstraße, kurz vor dem Knoten Neunkirchen, war ein Lkw-Sattelzug mit Entladearbeiten von heißem Asphalt beschäftigt. Beim Abladen geriet das Fahrzeug mit der vollständig aufgekippten Sattelmulde in eine parallel verlaufende 110-kV-Hochspannungsleitung. Der Lkw-Lenker versuchte zunächst noch durch Gasgeben, das Fahrzeug eigenständig aus der Leitung zu manövrieren, was jedoch aufgrund der Verhakung misslang.
Kurzes Zeitfenster der Abschaltung rettet dem Fahrer das Leben
Wie durch ein Wunder konnte der Fahrer das Führerhaus im Anschluss selbstständig und komplett unverletzt verlassen. Nach Angaben des Energieversorgers EVN schaltete sich die betroffene Hochspannungsleitung unmittelbar nach dem Erstkontakt für ein kurzes Zeitfenster automatisch ab. Genau dieser technische Umstand hat dem Mann beim Verlassen des Lkw vermutlich das Leben gerettet. Durch den massiven Stromeinfluss kam es an dem Sattelzug zu extremen Sachschäden: Ein hinterer Reifen wurde durch die Wucht der elektrischen Entladung weggeschleudert, während mehrere andere Reifen auf den Achsen verschmorten.
Erdungsarbeiten am Hochspannungsmast und Befreiung der Mulde bei Einsatz auf der Semmering Schnellstraße
Noch vor dem Eintreffen der Gloggnitzer Feuerwehrkräfte wurde die betroffene Leitung von der EVN dauerhaft abgeschaltet.
Monteur der EVN erdet die Schadensstelle
Vor den eigentlichen Bergungsmaßnahmen musste die Unfallstelle zur Sicherheit der Retter zwingend geerdet werden. Hierzu stieg ein spezialisierter Monteur des Energieversorgungsunternehmens auf den Hochspannungsmast und führte die notwendigen Erdungsarbeiten direkt an der Leitung durch. Erst nach der Freigabe konnten die Feuerwehrkräfte mit der technischen Befreiung des Lastkraftwagens beginnen. Da sich das Kabel massiv an der Kippmulde verfangen hatte, musste für die Demontage die Drehleiter der Stadtfeuerwehr in Stellung gebracht werden.
20-minütige Vollsperrung der S6 in beide Richtungen
Für die Dauer der gefährlichen Arbeiten an der Mulde musste die Semmering Schnellstraße in beide Fahrtrichtungen für rund 20 Minuten komplett für den fließenden Verkehr gesperrt werden. Nach rund zweieinhalb Stunden konnte der technische Hilfeleistungseinsatz offiziell beendet werden. Einsatzleiter Brandrat Thomas Rauch betonte nach dem Einrücken, dass Unfälle dieser Art bei einem Verlassen des Fahrzeugs unter Hochspannung normalerweise nicht so glimpflich verlaufen. Die Ermittlungen zum genauen Hergang, der zu dem Einsatz auf der Semmering Schnellstraße führte, wurden von der Autobahnpolizei aufgenommen.

